Freilauf
Ratten wollen natürlich auch beschäftigt werden. Wenn sie den ganzen Tag in einem fantasielos eingerichteten Käfig sitzen, langweilen sie sich und verkümmern schnell, auch wenn der Käfig sehr groß ist. Und auch wenn man sich sehr viel Mühe bei der Einrichtung gibt, ist es trotzdem ratsam, ihnen etwas Abwechslung zu bieten.
Sie sollten daher einen täglichen Freilauf in der Wohnung bzw. im Auslaufzimmer von 1 - 2 Stunden oder länger bekommen, vorzugsweise in den frühen Morgen- und/oder Abendstunden, wenn sie am aktivsten sind. Außerhalb des Käfigs können die Ratten nach Herzenslust toben, spielen und klettern. Man kann dabei auch sehr gut beobachten, wie flink und einfallsreich unsere kleinen Nager doch sind.
Achtet aber darauf, daß sie nicht allzu einfallsreich sind und euch die Tapeten von der Wand nagen, eure Möbel rattengerecht umdesignen oder sich Höhlen in die Polster bauen! Während des Freilaufs sollten die Ratten nicht unbeaufsichtigt gelassen werden. Ratten kommen wenn sie wollen überall hin. Außerdem nutzt ihnen der längste Freilauf nichts, wenn sie keinen Kontakt zu ihren Menschen haben.
Wenn die Ratten sich genügend ausgetobt haben und sich dann zum Erholen auf eurem Schoß zusammen kuscheln oder sich in eure Pullover verkriechen, können dann auch reichlich Streicheleinheiten vergeben werden.
Es gibt beim Freilauf aber auch einiges zu beachten, damit die Ratten sich nicht verletzen, verschwinden oder gar tödlich verunglücken. Zum einen sind das herumliegende Kabel (Stromschlag), welche am besten mit im Fachhandel erhältlichen Kabelschächten verlegt werden sollten oder notfalls unter dem Teppich oder Fußleisten versteckt werden. Alternativ kann man auch Waschmaschinenschläuche verwenden.
Auch sollte man zwischen offenstehenden Türen immer etwas dazwischenlegen (Handtuch, Decke o.ä.), damit diese nicht zufallen können, während eine Ratte noch dazwischen sitzt. Bei geschlossenen Zimmertüren ist es ratsam, außen ein Schild aufzuhängen, mit dem darauf hingewiesen wird, dass die Ratten Freilauf haben. Es ist leider schon oft vorgekommen, dass Ratten durch plötzlich aufgemachte Türen verletzt wurden.
Blumentöpfe sollte man außer Reichweite der Ratten aufstellen, denn sie buddeln gerne darin herum und zerstören damit die Wurzeln. Abgesehen davon ist es natürlich eine riesige Schweinerei, wenn die ganze Erde im Zimmer verteilt wird. Das muss ja nicht sein.
Wenn man die Ratten nicht auf dem Boden laufen lassen möchte, kann man versuchen, ihnen von Anfang an nur ein begrenztes Gebiet zur Verfügung zu stellen. Zum Beispiel können das Sofas sein, die direkt aneinander stehen oder anderweitig verbunden sind, oder ein ausreichend hohes Bett. Wenn die Höhe ausreichend ist springen die Ratten nicht herunter, solange sie es lernen wenn sie noch klein genug sind.
Unsere Sofas sind etwa 45 cm hoch und die Ratten laufen zuverlässig nur auf den Sofas herum. Wenn dann noch der Käfig vom Sofa aus erreichbar ist, kann man wunderbar die Käfigtür aufmachen und die Ratten kommen heraus wann immer sie möchten.
Beschäftigung
Ratten sind intelligente Tiere, und so kann man ihnen außerhalb des Käfigs super Spielmöglichkeiten bieten. Zum Beispiel kann man ihnen Kletterburgen aus Ästen und Holzstücken zusammenbauen oder ihnen Leckerlies anbieten, die sie dann in den Käfig transportieren. Unsere Ratten haben daraus einen richtigen Sport gemacht, welche Ratte die meisten Leckereien in den Käfig bringen kann.
Ein Spiel, welches den Verstand der Tiere fördert, haben wir selber erfunden: Das Futter-Such-Spiel. Dazu braucht man etwas Futter, das die Ratte gerne mag, und ein paar Abdeckungen, zum Beispiel leere Walnußhälften. Unter den Abdeckungen versteckt man nun nach dem Zufallsprinzip Futter - d.h. man versteckt nicht unter allen etwas.
Für den Anfang sollte die Ratte dabei zuschauen, wie die Leckerlis versteckt werden. Sie muss erstmal begreifen, was von ihr verlangt wird - sie muss wissen, dass unter der Abdeckung etwas für sie versteckt ist. Dann lässt man sie auf die Verstecke los. Sie wird daran herumschnüffeln und kratzen und eventuell versuchen sie zu verschieben, bis sie irgendwann entdeckt, dass sie sie hochheben muss.
Später kann man dann schwerere Abdeckungen nehmen, die die Ratte umstoßen muss, oder die Ratte beim Verstecken nicht zuschauen lassen. Manche Ratten schnuppern erst am Versteck und öffnen dann nur diejenigen, unter denen sie etwas vermuten. Manchmal liegen sie natürlich auch falsch - je nachdem wie gut ihre Nasen sind. Andere Ratten öffnen einfach ungestüm alle Verstecke und kommen so auch an ihr Futter.
Immer wieder gut kommt auch der Armtrick an, bei dem man eine Ratte auf eine Hand setzt, die Arme zu beiden Seiten weit ausgestreckt, und dann läuft sie auf die andere Seite. Wer es komplizierter machen möchte, bringt der Ratte bei, dass sie erst dann hinüberläuft, wenn die Arme schräg gelegt werden: Das heißt, sie läuft dann leicht abschüssig immer in die Richtung, in die man sich gerade neigt. Hat sie es erstmal richtig verstanden kann man so ein richtiges Spiel daraus machen und sich immer nach links und rechts lehnen, während die Ratte jedes Mal reagiert, wendet und in die andere Richtung läuft.
Viel Spass macht auch Versteck-spielen: Der Mensch versteckt ein paar Leckerchen im bekannten Auslaufgebiet, und die Ratten müssen sie suchen. Hierbei sollte man sich jedoch sicher sein dass nicht irgendwo etwas herumliegt, das die Ratten für ein Leckerchen halten könnten, das ihnen aber nicht gut tut - etwa Süßigkeiten oder anderes.
Auch innerhalb der Wohnung sollten die Ratten nicht in irgendwelche Taschen gesetzt und herumgeschleppt werden, wenn sie das nicht möchten. Nach einem ausgiebigen Spiel-und-Spass-Tag kann es jedoch vorkommen dass sie gerne mal ein Nickerchen in der Bauchtasche eines Pullis machen. In dem Fall ist natürlich gar nichts dagegen einzuwenden und man kann sich unbehelligt freuen, dass die Tiere so ein Vertrauen zu ihrem Herrchen oder Frauchen haben.



